Siem Reap und der Zauber von Angkor
6 04 2010Auf zum Tempelmarathon!!!!
http://de.wikipedia.org/wiki/Angkor
Es ist schon erschreckend was innerhalb von 6 Jahren und einem Hollywood Blockbuster (Tomb Raider), aus einem verschlafenen Städtchen wie Siem Reap (http://de.wikipedia.org/wiki/Siem_Reap) werden kann. 6 Millionen Touristen hat Kambodscha jedes Jahr zu verzeichnen und davon besuchen 2010 wohl 1 Millionen die Tempel von Angkor. Was für den Ort Siem Reap als Besuchermagnet und für die Firma die die Rechte an den Tempelanlagen vor Jahren erwarb, als Geldesel fungiert, ist ein Fluch für das Erbe der Khmer, denn es leidet stark unter dem unkontrollierten Besucherstrom.

traumhafte Ruinen
Es ist schon lächerlich wenn überall steht das man die bis zu 1000 Jahre alten Reliefs nicht anfassen soll, aber jeder sich schön daran festhält oder auch haptisch prüfen muss ob sie echt sind (besonders wenn man ein ach so schönes Gruppenfoto schießen kann), besonders die Asiaten (bevorzugt Chinesen)

schön auf die Kultur treten
kennen da keine zurückhaltung und werden auch von den so reichlich vorhandenen Wächtern und Guides (die absolut unterbezahlt sind) nicht darauf hingewiesen welchen Schaden sie an einem der wichtigsten Kulturerbe der Menscheit anrichten.
Wo vor 6 Jahren Ruhe und Gelassenheit herrschten, findet Heute ein Ran statt der unbeschreiblich ist. Busse fahren im Minutentakt mit hoher Geschwindigkeit durch die schöne Anlage, um zur richtigen Uhrzeit am nächsten Tempel zu sein (nur nicht den Sonnaufgang hier und den Untergang dort verpassen), raus aus dem Bus, Geschichte aufsaugen, Foto im Tor, Foto vorm Wat, Foto vor dem Angelina Jolie Baum, rein in den Bus, abartig!!!. Zum Schutz, wegen zu großer Zerstörung und Unfällen mussten inzwischen sogar schon Holzstege und Treppen über die alten Mauern gebaut werden. Im Angkor Wat wurde sogar für den obersten Aufstieg eine Maximalmenge festgelegt die auf einmal oben sein darf. Und die Anzahl von Luxushotels und Herrbergen in Siem Reap steigt stetig, so ist die Spitze des Eisbergs noch nicht in sicht. Man kann nur hoffen das Angkor nicht ein zweitesmal untergeht.

was für eine Kunst
So hatten wir es garnicht so leicht mit unserem Tuk Tuk den Massen aus dem Weg zu gehen und ein wenig von der speziellen Stimmung einer solchen Stätte in uns auf zunehmen. Aber meistens gelang es uns doch. Ernüchternt waren nur die in die höhe geschossenen Preise, die für alles verlangt werden. Manchmal könnte man von Abzocke sprechen, aber man muss auch die Lohnverhältnisse und die Korruption berücksichtigen die hier herrscht und das Preisgefüge bestimmt (ach die vielen Superreichen Touristen machen es auch nicht besser für uns Backpacker). Auch ist man nach einer gewissen Zeit von den sehr sehr aufdringlichen Kindern und Jugendlichen genervt die wie Schakale vor jedem Tempel von ihren Eltern postiert werden und einem jeglichen Grims Krams anbieten wollen. Ja da wären wir wieder bei der Kinderarbeit, die wir in Asien schon so oft beobachten konnten, aber noch nirgendswo so wie hier in Kambodscha (also checkt die Politik der Firmen wie H&M bevor ihr was bei ihnen kauft).
Zwischen den Tempeln besuchten wir noch ein privates Minen Museum (das vom Staat nicht gerade gern gesehen ist), indem ein Ex- Kindersoldat der Roten Khmer, Ex-Soldat der vietnamesischen Befreier und seit über 20 Jahren Minenentschärfer in Kambodscha (http://de.wikipedia.org/wiki/Landminen), aufzeigt welches Erbe der Vietnamkrieg und die Zeit der Roten Khmer im Land hinterließen und welche Konsequenzen es immer noch für die Zivilbevölkerung hat. Er betreibt mit kanadischer Unterstützung eine Stiftung mit der er sein eigenes Kinderhaus für versehrte Kinder und andere Projekte finanziert. Ausserdem geht er immer noch ohne jede Schutzvorrichtungen hinaus auf die Felder und in die Wälder um seinen Traum von einem Minen freien Kambodscha zu erreichen. Was bei der unglaublichen Zahl von über 5 Millionen Minen (er selbst hat auf seine unkonventionelle Art schon 50 000 geräumt), wohl ein Traum bleiben wird und dass für die nächsten 100 Jahre. Marina war von all dem Schmerz den die Menschen hier erlitten mehrfach in Tränen ausgebrochen und auch ich musste tief schlucken. Erschreckend ist festzustellen dass dabei viele Länder mit all dem Leid, viel Geld verdient haben und es Heute immer noch an anderer Stelle tun (wer helfen will oder dies ändern möchte kann und sollte einer der vielen Organisiationen beitreten http://www.medico.de/themen/krieg/minen/).
Was die Stadt betrifft, sie wird wohl noch mehr wachsen, um den Geldfluss noch zu erhöhen und am Ende wird es wohl aussehen wie in klein Las Vegas nur ohne die Kasinos, wobei einpaar gibts auch schon. Aber bald gehen ihnen wohl die Namen für die Luxusbunker aus denn jedes zweite heißt schon Angkor irgendwas.
Unser Tipp lautet also:
Überlegt es euch gut ob ihr diesem Schauspiel beiwohnen wollt und ein Teil der Zerstörung sein möchtet. Oder euch dem Stress und einem ständigen „buy something from me“ aussetzen wollt. Aber falls ihr es nicht lassen könnt, nimmt euch ein Tuk Tuk oder wenn ihr es sportlich mögt ein Fahrrad und macht euch auf zu den Tempeln von Angkor. Der beste und ruhigste Tempel Baeng Malea liegt aber 70 Kilometer entfernt und war unser Highlight (ach 5 Dollar extra natürlich), hier kann man sich wie Indianerjones fühlen und die besten Fotomotive einfangen. Als Guesthouse legen wir euch dass sehr schöne Good Kind Guesthouse ans Herz.

wie im Märchen










Danke an alle die uns was zu sagen haben